Nordic Walking Stöcke

Müssen es Walking Stöcke um EUR 149,- sein?

Jeder Sport macht mehr Spaß, wenn man dazu die richtige Ausrüstung hat. So vermittelt es uns die Sportartikelindustrie. Das klingt jedenfalls einleuchtend! Müssen es aber gleich Stöcke um EUR 149,- sein, damit Nordic Walking Spaß macht?

Diese Frage können wir mit einem ganz klaren "Nein" beantworten. Auf dem Markt wird inzwischen eine Vielzahl von Stöcken angeboten, welche sich in Material, Gewicht, Griff- bzw. Schlaufensystem und Größenverstellbarkeit (Teleskopstöcke oder feststehende Stöcke) unterscheiden. Die Entwicklung der Stöcke ist bereits weit fortgeschritten. Beim Kauf von Nordic Walking Stöcken kann heutzutage nicht mehr allzuviel schiefgehen. Da die Stöcke jedoch das zentrale Element in der Ausrüstung des „Homo Nordic Walking" sind, sollte man auf ein paar grundsätzliche Dinge achten bevor man zuschlägt.

Hilfe bei der Kaufentscheidung

Die richtige Länge der Nordic Walking Stöcke

Teleskopstock oder Fixlängenstock?

Die Handschlaufen

Der Schaft

Der Griff der Nordic Walking Stöcke

Die Spitze

Wie viel darf ein Nordic Walking Stock kosten?

Bewertungstool für Nordic Walking Stöcke

 

Die richtige Länge der Nordic Walking Stöcke

Das ist die zentrale Frage, die uns bei jedem Kurs mehrmals gestellt wird. Interessante Diskussionen sind hier vorprogrammiert. Zu kaum einem anderen Thema gibt es so viele unterschiedliche Meinungen. Die richtige Länge der Nordic Walking Stöcke ist eine wichtige Voraussetzung um eine zielführende Nordic Walking Technik ausführen zu können. Schon 3-5 cm zu viel oder zu wenig an Stocklänge machen sich bei einer Videoanalyse bemerkbar und fühlen sich unangenehm an.

In der Praxis haben Sie mehrere Methoden zur Auswahl um die richtige Länge für Ihre Nordic Walking Stöcke zu bestimmen.

Berechnung der Stocklänge oder Tabelle

Bei vielen Lebensmittel-Discountern und in einigen Sportgeschäften hängen Umrechnungstabellen. Dort wird Ihnen eine bestimmte Stocklänge zu Ihrer Körpergröße zugeordnet. Diese Tabellen beruhen auf statistischen Berechnungen und bringen häufig Ungenauigkeiten mit sich. Besser als einfach nur zu raten sind diese Tabellen aber allemal.

In der Praxis bekommen Sie bei solchen Tabellen häufig zu lange Stöcke.

Geringfügig genauer sind die vielen unterschiedlichen Berechnungsformeln. Diese einfachen Multiplikationen haben sich über die Jahre hinweg deutlich verändert. So hieß es in den Anfangszeiten der Nordic Walking Bewegung häufig:

Körpergröße in cm x 0,72 = ideale Stocklänge.

In kleinen Schritten wurde diese Berechnung verändert, bis hin zum aktuell gültigen Wert. Die aktuelle Berechnung, welche sich in der Trainerpraxis als sinnvoll herausgestellt hat lautet:

Körpergröße in cm x 0,66

Ein Rechenbeispiel: Eine Frau mit 1,72 m Körpergröße rechnet folgendermaßen: 172cm x 0,66 = 113,5cm. 113,5cm wäre also die errechnete Stocklänge. Da die meisten Hersteller ihre Stocklängen in Abstufungen von 5cm anbieten, wäre in diesem Fall ein Test der Stocklängen 110 und 115 angebracht. Für die Nordic Walking Praxis wird in vielen Fällen die kürzere Länge angebracht sein. Im Zweifelsfall sollten Sie aber dennoch den längeren Stock kaufen. Ein nachträgliches Kürzen des Stocks ist in den meisten Fällen ohne allzu großen Aufwand möglich.

Beratung im Fachhandel

Im Fachhandel können Sie Glück haben oder eben nicht. Nordic Walking Stöcke bekommen dort trotz hoher Verkaufszahlen oft einen geringen Stellenwert eingeräumt. Im Handel werden Sie meistens den folgenden Satz hören:

„Der Winkel zwischen Oberarm und Unterarm sollte 90° betragen."

Solche Stocklängen werden für die meisten Nordic Walker, vor allem die Beginner, zu lange sein. Gar nicht zu sprechen von Nordic Walking Stocklängen, die einen noch kleineren Winkel als 90° zwischen Ober- und Unterarm ergeben.

Individuelles Ausmessen

Der Goldstandard bei der Wahl der Stocklänge ist jedoch, wenn Sie die Länge des Nordic Walking Stocks individuell ausmessen. Suchen Sie zunächst jenen Punkt, wo die Schlaufe mit dem Stock verbunden ist (=Schlaufenaustrittspunkt).

Stellen Sie den Stock jetzt senkrecht vor dem Körper auf und prüfen Sie, ob sich der Schlaufenaustrittspunkt ca. auf der selben Höhe wir Ihr Bauchnabels befindet oder knapp darüber. 2-3 cm über dem Bauchnabel ist in Ordnung, unter dem Bauchnabel sollte der Schlaufenaustrittspunkt jedoch auch nicht liegen, da dann der Stock zu kurz ist.

Die so ermittelte Stocklänge sollten Sie dann bei einer ausgiebigen Nordic Walking Runde testen.

Erst danach können Sie eine fundierte Entscheidung treffen, welche Länge Sie für Ihre Nordic Walking Stöcke wirklich benötigen. Keine der angegebenen Berechnungen oder Maße sind in Stein gemeisselt. Es können immer Differenzen auftreten. Diesen Ablauf können Sie nur beim Besuch eines guten Kurses erhalten. Ihr Trainer wird Ihnen unterschiedliche Stockmodelle zur Verfügung stellen und Sie auch dementsprechend beraten.

Keine Formel der Welt kann diese Erfahrung ersetzen.

 

Teleskopstock oder Fixlängenstock?

Sobald Sie eine gute Stocklänge für sich ermittelt haben, benötigen Sie keine verstellbaren Stöcke mehr.

Vorteile von Teleskopstöcken:

  • Die Verstellmöglichkeit macht die Stöcke für mehrere Personen benutzbar.
  • Die Verstellmöglichkeit lässt Anpassungen im Gelände zu, wobei hier der Bedarf für die Mehrheit der Nordic Walker nicht gegeben ist.
  • Das kleinere Packmaß ist angenehm beim Transport (z.B. im Urlaub).

Nachteile von Teleskopstöcken:

  • Das Gewicht ist höher.
  • Der Preis ist höher.
  • Der Verstellmechanismus ist ein potentieller Kandidat für Defekte.
  • Ein (kleines) Risiko des Stockversagens ist gegeben. Davon spricht man, wenn der Stock bei Belastung plötzlich in sich zusammensinkt. Die Ursache ist das unbemerkte Öffnen des Verschlusses, z.B. auf Grund von Vibrationen während des Gehens oder zu schwach verschlossene Stöcke. Hochwertige Nordic Walking Teleskopstöcke bieten hier mehr Sicherheit durch spezielle Vorrichtungen.
  • Die allgemeine Haltbarkeit und Lebensdauer ist geringer.
  • Günstigere Teleskopstöcke neigen zu Klappergeräuschen.

Für den privaten Einsatz empfehlen wir Ihnen Stöcke mit fixer Länge und für den Verleih eine Kombination aus fixen Längen und Teleskopstöcken. Wenn Sie ein Verleihset brauchen, helfen wir Ihnen gerne bei der Zusammenstellung der Längen.

 

Die Handschlaufen

Clip-SchlaufenDie Handschlaufen sollten möglichst einfach in der Handhabung und individuell an die Größe der Hand anzupassen sein. Auf diese Weise kann ein guter Halt am Stock gewährleistet werden, was wiederum zu einer guten Stockkontrolle führt. Die Handschlaufe sollte so beschaffen sein, dass der Druck gleichmäßig auf die Hand verteilt wird und eine freie Blutzirkulation möglich ist. Teurere Modelle liefern Schlaufen, die aus „Mesh" oder vergleichbaren Materialien gefertigt sind. Dieses Material garantiert ein hohes Maß an Atmungsaktivität, dadurch kann Schweiß optimal von der Hand wegtransportiert werden. Reflektoren an den Griffschlaufen geben in der Dunkelheit zusätzliche Sicherheit.

Seit einigen Jahren sind bei hochwertigeren Stöcken sogenannte Schnellverschlusssysteme angebracht. Dies ermöglicht ein rasches Trennen der Handschlaufen vom Griff. Diese Verschlüsse gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Selbst Discounter-Stöcke haben manchmal solche Verschlüsse eingebaut. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass die Funktion einhändig zu bedienen ist! Wer bei jedem Öffnen des Verschlusses tüfteln muss, wird ihn nicht benutzen. Wenn es den beschriebenen Schnellverschluss bei einem Modell nicht gibt, dann befindet sich am oberen Ende des Griffs meist eine Verstellmöglichkeit für die Schlaufenlänge. Damit regulieren Sie, wie nah die Schlaufe am Griff ist. Diese Einstellung ist sehr wichtig, da die Kontrolle des Stocks maßgeblich davon abhängt.

Leider gibt es an dieser Stelle eine große Zahl unterschiedlicher Herangehensweisen und eine ist komplizierter als die andere. Die meisten dieser Verstellmechanismen werden während des Gehens locker und müssen händisch nachjustiert werden. Meistens müssen Sie zur Justierung kleine Klemmkeile verschieben, welche Ihnen häufig auf den Boden fallen, verloren gehen, kaputt gehen, Ihnen an den Fingern wehtun (vor allem wenn es draußen kalt ist und Sie Ihre Handschuhe dafür ausziehen müssen), und noch viele weitere Punkte mehr.

Vielleicht können Sie es schon zwischen den Zeilen erkennen: Wir empfehlen ausdrücklich einen Schnellverschluss.

 

Ein ganz klares NEIN gibt es für die folgenden Systeme:

  • Stockschlaufen ohne Verstellmöglichkeit des Abstands zum Griff
  • Handschlaufen, welche sich oberhalb des Handgelenks befinden und einen Abdruck hinter dem Körper unmöglich machen.
  • Schlaufen von Skistöcken!
 

Der Schaft

Nordic Walking Stöcke sind in der Regel einteilig und werden aus Aluminium oder Carbon bzw. einer Carbon/Glasfasermischung gefertigt, um den vielfältigen Belastungen an das Material (Druck, Zug) gerecht zu werden. Die Stöcke müssen den individuellen Anforderungen des Nordic Walking Trainings standhalten. Eine schwere Person benötigt einen stabilen Carbonstock, während eine leichte Person auch mit einem weicheren Carbon/Glasfaserstock zu Recht kommt.

Carbonstöcke sind vom Gewicht her sehr leicht und gleichzeitig stabil. Sie dämpfen Schwingungen etwas besser, die beim Aufprall der Stockspitze am harten Untergrund entstehen können. Diese Schwingungen können die Hand-, Ellbogen- und Schultergelenke möglicherweise belasten. Ein klarer Nachweis hierfür konnte noch nicht gefunden werden.

Der Nachteil von Nordic Walking Stöcken aus Carbon ist der höhere Preis gegenüber anderen Materialien. Aluminiumstöcke haben diese dämpfenden Eigenschaften nicht. Sie können das hören, da Alustöcke auf hartem Untergrund eine höhere Geräuschentwicklung aufweisen.

 

Der Griff der Nordic Walking Stöcke

Griff WalkingstockWenn möglich sollte der Griff aus Schweiß absorbierendem Naturkork gefertigt sein. Dieses natürliche Material nützt sich zwar etwas schneller ab, dafür fühlt sich ein echter Korkgriff am komfortabelsten an. In der Praxis sind echte Naturkorkgriffe nur bei teuren Stöcken zu bekommen.

Ein mittlerweile gängiges Material ist Korkimitat, also ein Gummi, der aussieht wie Kork. Lässt sich leicht reinigen und nutzt sich kaum ab, bietet jedoch nicht den Komfort von Naturkork.

Bei der Form des Griffes gibt es ergonomische "Krümmungen" entlang des Griffes oder sie sind einfach nur gerade. Wichtig ist, dass sie angenehm in der Hand liegen und Sie sich damit wohl fühlen. Die herkömmlichen geraden Griffe sind bewährt, bei besonderen Griffen gilt jedoch: testen, testen, testen.

Eine Besonderheit sind Keilgriffe. Sie sollen das Handgelenk in der Bewegung entlasten. Nehmen Sie sich Zeit! Nach ein paar Metern im Sportgeschäft können Sie meist noch nicht feststellen ob Ihnen ein Stock gut in der Hand liegt oder nicht.

 

Die Spitze

Spitze Walkingstock

Einfachere Stöcke haben Spitzen aus Aluminium, die sich relativ schnell abnützen können. Höherwertige Modelle haben Spitzen aus gehärtetem Stahl, deren Lebensdauer deutlich höher ist. Idealerweise ist die Spitze leicht abgeschrägt, damit sie beim Abstoß verbesserten Halt gibt und ein Abrutschen verhindert wird.


Für harten Untergrund (asphaltierte, gepflasterte Wege) ist die Verwendung der meist mitgelieferten Gummipads zu empfehlen. Diese Pads gewährleisten auch auf diesem Untergrund guten Halt. Außerdem wird das Geräusch der Metallspitzen am Asphalt gedämpft und die Kräfte beim Aufprall werden reduziert. Auf Schotter, Waldboden, Wiesen und anderen weicheren Untergründen sollten die Gummipads entfernt werden.

 

Wie viel darf ein Nordic Walking Stock kosten?

Wie immer gibt es nach oben keine Grenze. Wir konnten feststellen, dass man in der Preisklasse zwischen € 40,- und € 65,- ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis erhält. Für Vielgeher die mehr als 2-3 Mal pro Woche unterwegs sind oder für Instruktoren lohnt sich die Anschaffung teurerer Stöcke. Der Unterschied liegt meistens in einer Gewichtsersparnis, die den höheren Preis für Gelegenheitsgeher meist nicht rechtfertigt.

Bei den Handschlaufen sollten Sie jedoch nicht sparen! Das würde Ihnen die Freude am Stock schmälern.

 

Wo kaufen?

Der regionale Sportfachhandel ist ein guter Anlaufpunkt. Für die Absolventen unserer Seminare bieten wir spezielle Konditionen für Nordic Walking Stöcke an.

 

Fazit

Die langjährige Erfahrung mit einer Unzahl an verschiedenen Nordic Walking Stöcken hat uns gezeigt, dass ein bekannter Markenname nicht automatisch für gute Stöcke steht. Weniger bekannte Marken bieten oft ein deutlich besseres Preis-/Leistungs-Verhältnis als die alteingesessenen Hersteller. Nichts desto trotz funktionieren die Stöcke der Lebensmittel-Discounter nur bedingt in der Praxis. Wesentlich bessere Stöcke können Sie schon für eine Aufzahlung von € 15,- bis € 20,- erhalten.

Damit Sie die idealen Nordic Walking Stöcke finden, haben wir hier eine Checkliste für Sie erstellt. Am besten drucken Sie diese aus und verwenden Sie diese für Ihre Recherchen. Falls Sie im Laden kaufen, sollten Sie die Checkliste dabei haben.

 

Bewertungstool für Nordic Walking Stöcke - Kostenloser Download

Checkliste herunterladenKlicken Sie auf das Symbol und laden Sie sich kostenlos unsere Checkliste für Nordic Walking Stöcke herunter. Dieses Formular hilft Ihnen bei der Auswahl der Stöcke mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Wir hoffen, dass diese Tipps zur Auswahl Ihrer Nordic Walking Stöcke nützlich für Sie sind.

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